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Dortmunds Segen oder Fluch? – Der neue SGF-Vorsitzende Mario Krüger erläutert seine Positionen

Vor etwa acht Monaten ist Mario Krüger als Vorsitzender der Dortmunder SG Fluglärm in die Fußstapfen seiner Vorgängerin Ursula Wirtz getreten. Noch muss er sein dortiges Engagement zwar etwas dosieren, doch mit seinem im März anstehenden Rückzug aus dem aktiven Arbeitsleben ist fest geplant, mindestens einen Gang höherzuschalten.

Vorgenommen hat er sich für seine Amtszeit u. a. eine Modernisierung der inneren Strukturen der Bürgerinitiative und eine damit einhergehende stärkere öffentliche Präsenz. Regelmäßige Newsletter an die Mitglieder sollen künftig ebenso zum Konzept gehören wie ein abwechselnd in Dortmund und Unna stattfindender Stammtisch.

Und an inhaltlichen Themen dürfte es der Schutzgemeinschaft in der nächsten Zeit ebenso wenig mangeln wie schon über die letzten Jahrzehnte hinweg. Die Unterstützung mehrerer Privatklagen gegen Nachtflüge etwa oder das aktuelle Kräftemessen um die geplante faktische Verlängerung der Landebahn stellen laut Mario Krüger die derzeit dringlichsten Baustellen dar.

„Millionengrab“ Dortmunder Airport
Im Gespräch mit unserer Redaktion analysiert er ein weiteres Mal und mit Kopfschütteln, auf wie vielfältige, fragwürdige Art Stadt Dortmund sowie die Flughafenverantwortlichen nach seiner Ansicht das „Millionengrab“ Dortmunder Airport gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen versuchten, zahlreiche Nebelkerzen inbegriffen.

Der Verweis auf steigende Fluggastzahlen im Laufe der letzten Jahre beispielsweise sei angesichts der Tatsache, dass der Dortmunder Flughafen pro Passagier jeweils massiv draufzahle, leicht erkennbare Augenwischerei. Bei den entsprechenden Bilanzen wiederum seien sich die Verantwortlichen für kaum einen „Trick“ zu schade: Die Versorgung der Flughafen-Feuerwehr mir Infrastruktur und Gerätschaften schlug – so Mario Krüger – in der Vergangenheit für den Airport regelmäßig mit 800.000 € jährlich zu Buche.

Neuerdings allerdings, und noch dazu rückwirkend seit 2017, dürfe man sich in Wickede über Mieteinnahmen der Stadt in exakt gleicher Höhe freuen. Der Flughafen preise diese Summe in seine Gewinn-/Verlustrechnung ein und habe auf diese Weise im Bemühen um schwarze Zahlen eine Sorge weniger.

Im Gespräch mit Redakteur des In-StadtMagizin

Im Gespräch mit Redaktion des IN-StadtMagazin, Foto-Nachweis: IN-StadtMagazin

Ungültiges Angebot
Ein zweites Beispiel schiebt Krüger nach: Als 2014 die Fluggastkontrollen neu ausgeschrieben worden waren, habe der Flughafen selbst von vornherein ein ungültiges Angebot abgegeben. Im Endeffekt landete der Auftrag bei einem privaten Anbieter, der längst nicht alle der 70 Mitarbeiter übernahm. Der Schutzgemeinschafts-Vorsitzende rechnet damit, dass es in Kürze bei der Neuvergabe der Bodenverkehrsdienste zum Zwecke der Kostenreduzierung wieder in gleicher Weise laufen werde.

Bürger „büßen“ für Prestigeobjekt
Da die Finanzierungssorgen des Flughafens damit allerdings nicht ausgeräumt seien, müsse der Dortmunder Bürger auf vielfältige Weise für das Prestigeprojekt „büßen“: Zum Beispiel, wenn sich die Dortmunder Stadtwerke innerhalb des VRR ein weiteres Mal als Triebfeder für Preiserhöhungen positionierten. Gleichzeitig sei kein Geld für eine längst überfällige vollständige Modernisierung der Bus- und Stadtbahn-Flotte oder ein nachfrageorientierter Ausbau des ÖPNV-Angebotes vorhanden. Auch bei Fernwärme, Wasser oder Strom nutze man kontinuierlich die sich bietenden Gelegenheiten, an der Preisschraube zu drehen.
Beschäftigungslos also werden Mario Krüger und seine Mitstreiter so schnell nicht werden.

Macht es in der Öffentlichkeit doch vielmehr manchmal den Eindruck, als ob das erbitterte Wickeder Kräftemessen zwischen Flughafengegnern und -befürwortern schon seit Anbeginn der Zeiten mit unverminderter Intensität tobt. Und ein Ende – dessen ist sich der neue SG-Chef vollends sicher – ist auch nicht abzusehen.


(veröffentlicht im Spezial-IN-StadtMagazin 01/2020)